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Geschichte

Im Jahre 1945 übernahm das Studentenwerk Kiel aus dem Nachlass des Reichsstudentenwerkes das Grundstück Niemannsweg 152. Darauf befand sich das zum Teil zerstörte Gebäude des früheren Christian-Albrecht-Hauses. Ein Wohngebäude war erhalten, wenn auch schwer beschädigt, und zwar war es der heute noch genutzte Wohnteil zur Lindenallee hin.
Das Studentenwerk begann sehr bald mit den Planungsarbeiten für ein neues CAH. Herr Prof. Hallermann als Vorstandsvorsitzender und Herr Frey als Geschäftsführer entwickelten die Konzeption des Internationalen Studentenwohnheims, für das sie nach langjährigem Bemühen schließlich die Gelder bewilligt bekamen. Eine große Spende des McCloy-Fonds und ein Beitrag der Kanadischen Universität Manitoba ermöglichten schließlich den Baubeginn.
Geplant wurde ein Heim für je zur Hälfte deutsche und ausländische Studentinnen und Studenten mit 48 Plätzen und verschiedenen Gemeinschaftsräumen und einer Hausbibliothek. Ferner wurden auch für die weitere Universitätsöffentlichkeit Räume vorgesehen wie der große Saal mit besonderem Eingang, Gesellschaftsräume und ein Konferenzzimmer. Der große Saal war mit einer Filmvorführungsanlage ausgestattet.

Am 23. Juni 1951 wurde das Haus vom damaligen Bundespräsidenten Prof. Heuss feierlich als Internationales Studentenwohnheim - CAH - eingeweiht. Er begrüßte ganz ausdrücklich den internationalen Charakter des Hauses und sah hier eine neue Form des studentischen Gemeinschaftslebens verwirklicht. Er wand sich betont gegen das Wiederaufleben der alten schlagenden Studentenverbindungen. Für die Einweihung des Hauses war es wichtig, dass von vornherein das Zusammenleben im Haus durch die Einrichtung und den Tagesablauf zum gegenseitigen Kennenlernen und Miteinander angelegt war. Einmal gab es in der Hauptsache Doppelzimmer, in denen jeweils ein deutscher und ein ausländischer Student wohnten. Dann begegnete man sich im Waschraum, danach beim gemeinsamen Frühstück und später beim Abendessen bzw. während der Semesterferien beim Mittagessen. Der Tagesablauf war darauf angelegt, dass sich alle Bewohner allmählich kennenlernten. Im Haussekretariat wurde jeder Neuankömmling in Empfang genommen und mit den Einrichtungen des Hauses vertraut gemacht. Dort wurde viele Jahre auch die Miete und Verpflegung bezahlt. Haussekretär war stets ein Bewohner des Hauses, der in den Nachmittagsstunden anwesend war und besonders die neuen Bewohner in vielfacher Weise beraten konnte.




Die Hausgemeinschaft wählte sich für jedes Semester eine Hausvertretung, die für die Organisation des Zusammenlebens zuständig war, sie hieß Senior, Prosenior und Seniorita. Die Räume für die weitere Universitätsöffentlichkeit wurden in den ersten Jahren des Bestehens des CAH wegen Mangels an entsprechenden Räumen in der Universität von studentischen Gruppen genutzt. Es fand auch alljährlich der Internationale Ferienkurs der Universität statt, der im CAH verpflegt wurde. Die Arbeitsgemeinschaft Bühne und Publizistik veranstaltete im großen Saal internationale Filmtage und viele gemeinsame Essen und Feste wurden dort von der Hausgemeinschaft und von Außenstehenden gefeiert. Viele Jahre fand auch während der Kieler Woche ein Diplomatenempfang statt. Es wurden dazu die zur Kieler Woche anwesenden Diplomaten der im CAH vertretenden Nationen eingeladen.
Da die Unterhaltung des Hauses wegen der geringen Einnahmen aus den Mieten dem Studentenwerk trotz eines Zuschusses des Landes große Schwierigkeiten bereitete, plante es unter der Geschäftsführung von Herrn Schulz-Gärtner einen Erweiterungsbau. Es entstanden auf dem gegenüberliegenden Grundstück drei Pavillons (Haus 1, 2 und 3) mit insgesamt 60 Plätzen, davon 20 in Einzelzimmern. Das Haus 3 erhielt einen für alle Bewohner gedachten Arbeitsraum. Diese Häuser wurden zum Wintersemester 54/55 bezogen, allerdings wurden sie nicht ganz termingerecht fertig, sodass im großen Saal für einige Tage ein Matratzenlager für die neuen Bewohner eingerichtet werden musste. Ein Vorteil dieser Notmaßnahme war, dass sich die Neuen dort gleich kennenlernten. So gab es eigentlich durch diese Vergrößerung im Heimleben keine Veränderung, denn der Tagesablauf blieb unverändert.



Zu den täglichen Begegnungen kamen laufende Veranstaltungen wie z.B. ein politisches Kolloquium, Spracharbeitsgemeinschaften, Literaturkreise, Filmreihen und vieles mehr. Im SS 1955 wurde dem Haus vom Land eine Tutorenstelle bewilligt. Später waren es sogar zwei Tutorenstellen, die vor allem mit Verfügungsmitteln ausgestattet waren. Dadurch und durch Zuwendung des Akademischen Auslandsamtes konnten Vortragsreihen mit bekannten Persönlichkeiten und Dichterlesungen veranstaltet werden. Ferner sind dadurch zahlreiche Exkursionen ermöglicht worden. Eine besondere Aktivität der Hausgemeinschaft stellte die vom Wintersemester 57/58 bis zum Wintersemester 69/70 jährlich herausgegebene Hauszeitung dar, die das Leben im CAH wiederspiegelte und weltweit an Ehemalige versand wurde. Die Kosten für diese Hauszeitung übernahm der Verein zur Förderung des CAH. Dieser Verein war 1953 wiederbelebt worden und bemüht sich seitdem um die Förderung des CAH. Eine einschneidende Veränderung des Heimlebens enstand durch die Abschaffung der Doppelzimmer zum Wintersemester 77/78. Dadurch verringerte sich die Bewohnerzahl auf 77, wodurch die Rentabilität des Hauses entschieden verschlechtert wurde, zumal das Land den früher gewährten Zuschuss gestrichen hatte. Das Studentenwerk entschloss sich daraufhin zum Bau eines großen, modernen Anbaus und einer Grundrenovierung des Haupthauses. Damit verschwanden allerdings auch die beiden Säle und der Tischtennisraum im Keller.

Verpflegung gab es seit Anfang der 70er Jahre wegen mangelnder Rentabilität nicht mehr. Zum Wintersemester 79/80 wurde der Neubau mit 54 Räumen als Apartments mit Dusche und Toilette bezogen. Insgesamt hatte das CAH damit 131 Plätze.
Das Tutorenprogramm des Landes war bereits 1970 ausgelaufen. Den Sekretär gab es nicht mehr. Das Studentenwerk beschäftigte eine Sekretärin. Inzwischen ist auch diese eingespart worden. Es gibt nur noch einen Hausmeister. Das Haus wird direkt vom Studentenwerk verwaltet.
Nachdem es die Tutoren nicht mehr gab, fehlte im Haus jemand, der die neuen Bewohner, vor allem die Ausländer ins Heimleben einführte und ihnen behilflich sein konnte. Nach verschiedenen Gesprächen mit der Hausvertretung und Hausbewohnern machte der Verein den Vorschlag, eine Tutorenstelle im CAH einzurichten, allerdings mit Bedingungen, die mit denen der früheren Tutorenstellen nicht zu vergleichen sind. Seit 1976 gibt es diese Tutorenstelle. Erste Tutorin war Sonja Uhlhorn. Inzwischen ist Dorina Arndt als Tutorin im CAH tätig. Alle Tutoren haben sich auf ihre Art bemüht, im CAH eine internationale Atmosphäre des guten Zusammenlebens zu fördern. Zur Zeit ist es nahezu gelungen, das ursprüngliche Verhältnis von 50 % ausländischen zu 50 % deutschen Bewohnern wieder zu erreichen.
Durch das Studentenwerk wurde 198x in den Häusern 2 und 3 eine Kindertagesstätte eingerichtet. Dadurch sind dem CAH 20 Plätze verlorengegangen, sodass es zur Zeit 106 Plätze im CAH gibt.